Bischöfin und Stadtpräsidentin pflanzen am Reformationstag 2013 in Schlutup einen Apfelbaum    "Die Reformation der Apfelbäume holt Martin Luther mitten in unser heutiges Leben“, so Bischöfin Kirsten Fehrs. „Wir bringen damit das Vertrauen zum Ausdruck, dass unsere Freiheit festen Grund hat. Zugleich setzen wir ein Zeichen der Hoffnung, dass wir unsere Schöpfung bewahren können, wenn wir selbst Verantwortung übernehmen für unsere natürlichen Lebens- grundlagen und für unsere Zukunft. Diese Apfelbäume sollen Früchte tragen, in Lübeck genauso wie in Hamburg und vielleicht an anderen Orten der Nordkirche." Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer zeigte sich begeistert. „Es ist gelungen, vom Kindergartenkind bis zum Konfirmanden alle einzubinden“, sagte sie. "Besonders gefällt mir, dass der Baum als Hoffnungssymbol nahe an der Grenzdokumentations- stelle und dem Jugendtreff seinen Standtort erhält." In Lübeck seien die Folgen der Reformation bis heute erlebbar: "Unser Stadtarchiv lädt zur persönlichen Recherchearbeit ein. 1517 hat Martin Luther mit seinen 95 öffentlichen ausgehängten Thesen Mut und Weitsicht bewiesen. Er revolutionierte die Kirche und besaß eine große Überzeugungskraft.  In Lübeck akzeptierte der Rat der Stadt die Reformationsbewegung. Johannes Bugenhagen verfasste 1530 die neue Kirchenordnung. Das Katharineum verlor seinen Status als Ordenskloster und wurde zur Schule." Der Name Luther taucht in der Stadt immer wieder auf: "Wir haben eine Lutherstra0e, unsere Lutherkirche hat sich sensibel und erfolgreich der Gedenkarbeit gewidmet – ihr gegenüber steht das Bora Betagtenhaus , benannt nach Luthers Ehefrau." In der Lutherschule habe sich als Gast auf Zeit die Johannes Prassek Schule eingerichtet, benannt nach einem der vier Lübecker Märtyrer. „Die Kirchenleitung der Nordkirche anerkennt mit der Pflanzung dieses Apfelbaumes unsere Bemühungen, bleibend an ein politisches Unrechtsregime zu erinnern“, sagte Ingrid Schatz, Mitglied der Bürgerschaft und Vorsitzende der Grenzdokumentations-Stätte Schlutup. „“Wir wollen durch unsere pädagogische Erinnerungsarbeit die Jugend dabei unterstützen, Zukunft zu gestalten. Dazu gehört Aufklärungsarbeit, Erzählen, Mahnen und Wachsam sein, um Demokratie und Freiheit – auch Glaubensfreiheit – zu erhalten.“ Für den Schlutuper Pastor Kai Schäfer könnte es für dieses Hoffnungszeichen keinen passenderen Ort als an dieser Grenzdokumentationsstelle geben. „Wir freuen uns sehr, dass sich die Bischöfin als Vertreterin der Nordkirche, zuständig für ein Gebiet von den Grenzen zwischen Dänemark und Polen, hier in Schlutup die Ehre gibt“, so der Pastor. „Luthers 95 Thesen und sein Kampf für die Freiheit sind eine bleibende Aufforderung, genau hinzuschauen, dass auch heute die erkämpften Freiheiten erhalten bleiben. Für uns hier mit der historischen Grenzlage ist das augenfällig. Mit diesem Apfelbaum wollen wir uns auch in Zukunft daran erinnern lassen, dass wir Gottes Wort immer trauen können – egal, wie die politischen Zeiten sich ändern. Der Apfelbaum symbolisiert unsere Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und unsere persönliche Verantwortung für die eigene Region.“ Für die Kirchengemeinde hat der Schlutuper Künstler Winni Schaak eine Plakette für das kleine Bäumchen entworfen, die am Pflanztag vier Jahre vor dem runden Jubiläum an den Reformationstag 1517 erinnern soll. Bei dem Baum handelt es sich um einen Holsteiner Cox, der dann hoffentlich rechtzeitig zum großen Reformationsjubiläum 2017 Früchte tragen soll. Und diese Früchte können sich dann alle Schlutuper schmecken lassen. „2017 werden wir im Zentrum der Stadt ein großes Reformationsfest ausrichten“, ist sich Gabriele Schopenhauer sicher. Die Kirche St. Andreas - erbaut in der Reformationszeit In der Zeit um 1425 wurde erstmals eine „neue Kapelle“ in Schlutup erwähnt. Zurzeit der der kirchlichen Erneuerungsbewegung bekennt sich im Jahre 1531 die St. Andreas-Gemeinde ganz offiziell zum evangelisch-lutherischen Glauben. Neue dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass der Bau in seiner heutigen Form wohl im Sommer 1538, also ca. acht Jahre nach der Annahme des evangelisch lutherischen Bekenntnisses durch die Gemeinde fertiggestellt worden. Im Mauerwerk ließen sich keine Reste der älteren, nur schriftlich überlieferten Kapelle feststellen.“ Hintergrund: Am Reformationstag feiert die evangelische Kirche die Erneuerung der Kirche durch Martin Luther. Luther war davon überzeugt, dass die Liebe Gottes allen Menschen gleich zuteilwird, ohne dass sie sich diese erst verdienen müssen. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther 95 Thesen zum Glauben in Wittenberg. Das Pflanzen von Apfelbäumchen gilt durch ein Luther zugeschriebenes Zitat als Inbegriff der evangelischen Hoffnung. Es steht für eine optimistisch engagierte Sicht auf die Zukunft und fordert dazu auf, sich aktiv für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Die Aktion „Reformation der Apfelbäume“ erinnert an ein Zitat, das dem Reformator Martin Luther zugeschrieben wird: "Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen." Die Idee für diese Aktion stammt aus Hamburg: Unter dem Motto „Die Reformation der Apfelbäume“ hatte Bischöfin Kirsten Fehrs bereits an vielen Stellen in Hamburg sichtbare Zeichen gesetzt und Apfelbäume im öffentlichen Raum gepflanzt. Bild: Ein gemeinsames Lied bei der Pflanzung des Apfelbaumes: Bischöfin Kirsten Fehrs, Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer, Pastor Kai Schäfer (v.links). Andacht von Bischöfin Kirsten Fehrs am 31.10.2013 in St. Andreas, Schlutup: Liebe Kinder, sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin Schopenhauer, lieber Pastor Schäfer, liebe Apfelbaumgemeinde! Wie schön, heute bei euch und Ihnen zu sein. Um gemeinsam nicht nur zu singen und zu beten, sondern auch zu pflanzen. Ein ganz kleines Apfelbäumchen noch, der irgendwann größer wird. So, dass wir später mal wunderbare Äpfel essen können. Doch dafür braucht er eure Pflege. Euer Streicheln, Wasser, Achtsamkeit. So, wie ihr es eben gesungen habt: Ich bin der Baum vor deinem Haus. Wart ihr schon einmal in einem Baumhaus? Oder seid ihr auf einen Baum geklettert? Das ist wie eine eigene, kleine grüne Welt. Da kann man träumen. Und die Welt von oben angucken. Und ist so herrlich frei. Denn …da kommt ja nicht jeder hoch Und das Schöne an Bäumen ist: Sie sind wie Freunde. Sie stehen da und bleiben da. Das geht gar nicht anders. Ganz tiefe Wurzeln halten sie in der Erde und deshalb können sie in den Himmel wachsen. Manchmal meterhoch. Die haut so schnell nichts um. Allerhöchstens, ganz allerhöchstens kann ein noch kleiner Baum von einem Sturm wie in den letzten Tagen umgepustet werden. Ich stehe hier – das geht gar nicht anders. Das hat ein berühmter Mann der Kirche gesagt: Martin Luther. Er war standhaft wie ein Baum – und musste manchen Stürmen trotzen. Denn er war unzufrieden mit seiner Kirche damals. Und hat das auch laut gesagt mit 95 Sätzen, Thesen genannt. Fast 500 Jahre ist das her. Der Kirche damals hat das natürlich nicht gefallen. Doch Luther stand da wie ein Baum und konnte eben nicht anders. Er fand, dass die Kirche anders werden müsste. Offener. Nicht so mächtig. Er wollte zum Beispiel, dass die Menschen sich nicht immer vor Gott fürchten. Sondern dass sie seine Liebe fühlen und ihnen warm ums Herz wird. Doch dazu mussten sie die Geschichten von Jesus lesen können. Die Großen wie die Kleinen. Deshalb hat er die Bibel damals ins Deutsche übersetzt. Und sie haben alle es schön gefunden, lesen zu lernen. Denn die Geschichten waren gut. Sie haben Mut gemacht und Hoffnung. Und sie haben Gott lieben können und gemerkt, dass er da ist. Dass sie sich auf ihn verlassen konnten wie auf einen Freund. Und sie haben gelernt davon zu reden, was sie glauben und was nicht. Und das hat sie so frei gemacht. Endlich. Keiner mehr hat ihnen vorgesagt, was und wie sie zu sein hätten. Und sie hatten Kraft und Mut und haben viel Gutes getan. In der Erwachsene-Bibel in den Psalmen steht dazu ein wunderschönes Wort: „Wer sich an Gott hält, der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht.“ Gesegnet ist, wer vertrauen kann. Darauf, dass Gott da ist. Beständig wie ein Baum, der einem Schutz gibt und Schirm vor allem Argen, der einem neuen Atem gibt und Luft und Wasser und Liebeswort und Gedanken – und in all dem des Geistes Gegenwart.  Und so kann der Baum, den wir gleich pflanzen,  wie ein Bild sein für unseren Glauben: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke“  haben wir eben gebetet. Und in dem Baum sieht man das auch! Gut, oder? Die Stärke des Baumes besteht nämlich darin, dass er voller Bewegung und Grünkraft ist und zugleich große Standfestigkeit hat! Gut, dass es dem Martin Luther gereicht hat  – mit einer Kirche, die starr war und geistig so unbeweglich, die ihre Einfühlsamkeit verloren hatte und deren Mächtigen nur aufs Geld schielten.  Und so hat er laut gesagt, was er dachte. Und das war damals nicht ungefährlich. Aber es war richtig. Und es ist richtig. Wenn etwas nicht stimmt, muss man den Mund auftun. Auch wenn man Unverständnis erntet. Denn sonst lässt man zu, dass es bleibt, wie es ist. Und gibt die Hoffnung auf, dass sich etwas ändern kann. Luther hat nie die Hoffnung aufgegeben. Obwohl er ein ziemlicher Zweifler war. Nicht umsonst hat man ihm diesen Ausspruch zugeschrieben: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Hoffnung macht frei davon, traurig zu bleiben. Hoffnung ist die Sehnsucht nach dem noch nicht Sichtbaren. So viele tragen in sich dieses Sehnen, dass die Welt besser wird. Gerechter. Freier. Und das ist gut. Denn wer sich sehnt, findet sich nicht ab, sondern geht. Pflanzt. Denkt nach vorn. Glaubt, liebt, hofft.  Deshalb ein Baum. Er ist ein Hoffnungszeichen, dass Freundschaft wächst. Und Stärke. Und Zuversicht. Und das ist deshalb heute so wichtig zu pflanzen, weil so viele Menschen das Sehnen und Hoffen verloren haben. Wir haben Prognosen, doch haben wir Hoffnungen? Hoffnung kann man nicht beschwören, sie muss entstehen und immer wieder in uns lebendig werden. Dabei helfen Hoffnungszeichen wie der Apfelbaum. Wie das geht? Ich habe im letzten Jahr genau solch einen Baum in St. Pauli gepflanzt, mitten in der Stadt. Und just in der Kirche neben diesem Bäumchen leben nun seit 5 Monaten 80 junge Flüchtlinge aus Afrika. Und der ganze Stadtteil hilft mit. Die Kitakinder malen Hoffnungsbilder, und die zehnte Klasse nebenan schreibt Briefe an den Senat und mich. Sie schreiben, dass die Flüchtlinge schwer nett sind. Und dass die Flüchtlinge Angst hätten, seit den Polizeiaktionen in den letzten Wochen. Und sie würden gern ihre Turnhalle als Winterquartier zur Verfügung stellen und ob ich die nicht weihen könnte, damit die Polizei da nicht herein kommt. Dann wären die Flüchtlinge geborgen. Frei von Angst. Ist das nicht ein unglaublich schönes Hoffnungszeichen, dass die Welt sich ändern will, liebe Gemeinde? Auch hier, in Schlutup, steht nun gleich ein Apfelbäumchen. Zeichen dafür, dass Hoffnung innerlich frei macht. Gepflanzt direkt am dem ehemaligen Grenzstreifen, der über 50 Jahre lang eine scharf bewachte Grenze war. Und wir sagen damit. Friede soll sein. In der Welt, die so viele Kriege kennt und Grenzen und Krisen und Katastrophen. Und wir sagen: wir übernehmen Verantwortung in dieser Stadt und für unsere Zukunft. Treten ein für Menschenrecht und Schöpfungswürde und tun etwas dafür, dass sie nicht weiter zerstört wird. Und wir sagen schließlich: Auf dich Gott vertrauen wir. Und bekommen Kraft, wie ein Baum zu sein, der in den Himmel reicht. Damit auf Erden die Liebe wächst und die Gerechtigkeit. Amen