Schlutup,   Stadtteil der Hansestadt Lübeck Schlutup ist ein altes Fischerdorf am Breitling des unteren Laufes der Trave. Erstmalig wurde Schlutup 1225 in einer Urkunde als “Vretup” erwähnt. Mit etwa 6000 Einwohnern ist Schlutup der kleinste Stadtteil der Hansestadt Lübeck, der zweitgrößten Stadt in Schleswig Holstein. Koordinaten : 53° 53’ N, 10° 48’ O Der Stadtteil liegt östlich der Trave auf ca. halber Wasserstrecke zwischen Lübeck und Travemünde, der Mündung in die Ostsee. Vom Zentrum Lübecks ist Schlutup ca. 10 km entfernt. Dazwischen liegt der stadtnahe Stadtteil St. Gertrud und die ausgedehnten Stadtforste “Lauerholz” und “Wesloe”. Schlutup ist über die B 104 sowohl östlich nach Mecklenburg-Vorpommern mit der A 20, sowohl westlich mit der B 75, dem Streckenabschnitt zwischen Lübeck und Travemünde verbunden. Durch den Herrentunnel der B 75 ist Schlutup direkt mit der A 226 und der A 1 verbunden. Geschichte
Schlutup das Fischerdorf Bis Anfang des 19. Jh. ist  Schlutup ein kleines beschauliches Fischerdorf. Ab der zweiten Hälfte des 14. Jh. regelt ein  Fischereiamt die Rechte der Fischer. Sie erhalten polizeiliche Befugnisse, dürfen gegen unberechtigtes Fischen vorgehen.  Wer illegal fischte wurde, dem nahmen die Schlutuper Kähne und Netze weg.  Nach Einführung Gewerbefreiheit geht die Regelung von Fischereiangelegenheiten 1871 auf das „Stadt- und Landamt“  über. Ihren Fang verkaufen die Fischer selbst. Entweder direkt vom Kahn oder die Fischersfrauen verkaufen ihn in der  näheren Umgebung. Zu Anfang gingen sie zu Fuß bis nach Lübeck. 1872 arbeiteten in Schlutup 42 Fischer und ebenso  viele Gehilfen auf 42 kleinen  und 12 großen Kähnen.   Als Nebenerwerb befassen sich einige Schlutuper Fischer mit der Herstellung und dem Verkauf von Netzen. Zum  selbständigen Gewerbe wird dies ab der 1. Hälfte 19.Jh. Gleichzeitig änderte sich der Vertrieb der gefangenen Fische. Der  Verkauf erfolgt nunmehr an Zwischenhändler, Fischerfrauen verkaufen nur noch wenig Rohware direkt. Etwa zu dieser  Zeit beginnen Schlutuper Fischer, ihre Fische selbst zu räuchern. Zunächst über dem häuslichen Herd und später auch in  Schuppen auf ihren Grundstücken. Den Räucherfisch  verkaufen sie in Lübeck und im benachbarten Mecklenburg. 1930  gehen die Fischerträge der Ostsee zurück. Fischer können vom Fang in der Lübecker Bucht nicht mehr leben. Die  Hochseefischerei außerhalb der Hoheitsgebiete beginnt. 1933 gibt es 37 Fischer im Ort. Die meisten sind Kleinfischer ohne motorgetriebenes Boot. 1947 sind es  nur noch 20  Fischer. In diesem Jahr  halten die Schlutuper Fischer zum ersten Mal nach dem Krieg ihren traditionellen jährlich  stattfindenden Krugtag ab.1955 gibt es 16 Kutter und eine größere Anzahl von Wadenkähnen und Booten in Schlutup,  1992 nur noch einen Kutter, zwei Stellnetzboote, sechs Wadenboote und einige Kähne. 2007 fahren nur noch zwei  Fischer auf See hinaus.  Aufstieg des fischverarbeitenden Gewerbes Die ersten Verfahren, Fisch haltbar zu machen, sind Salzen, Räuchern und Marinieren. Sie werden zur Grundlage des  sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Schlutup etablierenden fischverarbeitenden Gewerbes.  Innerhalb weniger Jahren  entstehen die Räuchereien Thomas Westphal, Hans Peter Westphal, Peter Westphal, H. Willwater, H. P. Niemann, Fr.  Niemann, Franz Langloh und Jürgen Bade. Bis auf Hans Peter Westphal verkaufen sie ihre Ware an Zwischenhändler in  Lübeck. Hans Peter Westphal bringt seine Produkte in verschiedenen deutschen Städten selbst zum Endverbraucher.  Viele Betriebe nehmen später Marinaden und Bratheringe ins Sortiment. Ab 1864 beziehen die Firmen den Frischfisch in  großen Mengen aus Dänemark. Später kommt der Fisch auch aus anderen skandinavischen Ländern und aus Schott-  land. 1868 werden erstmals Heringe aus Schweden verarbeitet. Die Fischdampfer landen ihre Ware am Schlutuper Hafen  an. Die erste Anlegebrücke wird 1876 unterhalb des Küterberges gebaut. Eine größere Anlegestelle entsteht 1888. Die  Schlutuper Räucherer beteiligen sich an der Finanzierung. 1912 wird eine Anlegestelle für Motorkutter errichtet. Im  Anschluss an den Kai, der zu hoch für die Fischkutter war, wird 1929 der Fischereihafen ausgebaut und mit einer  Löschbrücke, Schuppen und Kühlhaus versehen. Rohwaren werden ab 1852 auch über den alten Lübecker Bahnhof am  Holstentor und ab 1902 direkt am neuen Schlutuper Bahnhof als Eisenbahnfracht bezogen und Fertigwaren mit der  Eisenbahn zu den Kunden gebracht. Nach der Stilllegung des Schlutuper Bahnhofs übernehmen LKWs die Transporte  von Fertigwaren. 1929 gab es 50 fischverarbeitende Betriebe in Schlutup.Im  20.Jh. ändert sich das Bild. Viele  Räuchereien schließen.  2004 gibt es nur noch zwei Räuchereien und Marinieranstalten, die Firma Carl Krellenberg und  die Firma Peter Steffen. Carl Krellenberg gibt 2004 den Betrieb auf. Die Firma Peter Steffen, im Besitz von Andreas  Schaller, ist der letzte  Hersteller von Räucherfisch und Marinaden am Ort. Den Fisch für seinen Großhandel kauft  Schaller weltweit ein. Geräuchert wird die Ware dann aber in den vier Schlutuper Öfen  Fischkonservenfabriken Mit der zu Beginn  des 20.Jh. einsetzenden  Produktion von Fischvollkonserven in Dosen  beginnt  der Aufstieg vom  fischverarbeitenden Handwerk zur industriellen Verarbeitung. Viele Schlutuper Fischfabriken gehen aus Räuchereien und  Marinieranstalten hervor oder nehmen Vollkonserven zusätzlich ins Sortiment. 1909 gründet Hans Westphal unter dem  Namen „Hawesta“ eine Räucherei und Konservenfabrik. Weitere Fischkonservenfabriken folgen. Wesentlichen Anteil  daran hat die Maschinenbaufabrik Rudolf  Baader aus Lübeck, die im Jahr 1921 die erste Fisch-Filetiermaschine auf den  Markt bringt. Sie ersetzt die Arbeitsleistung von acht Frauen. Maschinen aus den 1950er Jahren erledigen das Pensum  von bis zu 30 Frauen.   Fischvollkonserven sind bis zu sechs Jahren haltbar und lassen sich auch weit außerhalb ihres Produktionsortes  verkaufen. Fischvollkonserven „ made in Schlutup“ werden zum wichtigsten Exportartikel Schleswig-Holsteins. Sie werden  in alle Welt verkauft. Schlutup wird zu einem der größten Orte für fischverarbeitendes Gewerbe in Deutschland. Zeitweilig  wird hier ein Fünftel des gesamten Heringsfangs Deutschlands verarbeitet. Hauptabsatzgebiete von Schlutuper  Dosenfisch sind Gebiete im Osten Deutschlands. Sie gehen 1945 verloren.  Die Schlutuper Fischindustrie erholt sich von  diesem Schlag mit erstaunlicher Geschwindigkeit. 1947 werden bereits wieder 18 000 t Heringe im Wert von circa 14,5  Millionen RM verarbeitet. Aus dem Osten stammende Unternehmer wie Günter Wehowsky und Gerhard Czieslik gründen  weitere Fischkonservenfabriken.  Ab den 1960er Jahren beschäftigen die Betriebe ausländischer Arbeitnehmer/ „Gastarbeiter“  aus Griechenland, der  Türkei und  Italien. Der Anteil ausländischer Arbeitskräfte beträgt zeitweilig 70 Prozent.  Ab den 1970er Jahren wird die Situation für Fischkonserven zusehends schwieriger. Der Konkurrenzdruck nimmt zu. Es  gibt Preiskämpfe. Zudem ist durch die rasante Entwicklung der Tiefkühltechnik frischer, nicht verarbeiteter Fisch weit  außerhalb seiner Anlandungsgebiete verfügbar. „Anker Steffen“ gibt die 1938 begonnene Produktion von Vollkonserven  schon 1965 auf. In den Jahren danach schließen bis auf „Hawesta“ alle Fischkonservenfabriken in Schlutup oder werden  an auswärtige Produzenten verkauft, und die Produktion wird verlagert. Die letzte noch in Schlutup produzierende  Fischfabrik „Hawesta“ wird nicht mehr von einem Schlutuper betrieben. Sie wird 2009 an die Firma Rügen-Fisch in  Sassnitz verkauft. Durch diese Entwicklung schließen auch Zulieferer. Die  Firma Essig Kühne gibt 2003 den Betrieb in  Schlutup auf.  Viele Handwerksbetriebe verlieren ihre wichtigsten Kunden.   Die größten Fischfabriken und ihre Gründer: „Hawesta“ (Hans Westphal), „Leckermäulchen“ (Wilhelm Krakow), „Tiptop“  (Wilhelm Bade), „Anker Steffen“ (Fritz Steffen) und Wefina Feinkost“ (Günter und Ilse Wehowsky).   Schlutup heute Schlutup ist heute kein Ort mehr, der vom Fisch und seiner Verarbeitung lebt. Auf dem Gelände zweier Fischfabriken  entstanden Wohngebiete Wo früher Anker Steffen produzierte entwickelte sich seit 2007 das genossenschaftliche  Mehrgenerationen-Wohnprojekt „Hintern Höfen“. Die Fabrikgebäude wurden bis auf eines abgerissen. Am 22. September  2008 war Grundsteinlegung und die ersten Bewohner sind im Dezember 2009 eingezogen. Die Anlage umfasst sechs  Mehrfamilienhäuser, zwölf  Reihenhäuser und ein Einzelhaus. Es gibt sowohl Eigentums- als auch Mietwohnungen. 137  junge und ältere Menschen finden in 57 Wohnungen ein neues Zuhause. Die Bewohner haben das Ziel, mehr  Nachbarschaft zu leben, sich gegenseitig zu helfen und etwas miteinander zu unternehmen.   Neu bebaut wurde auch das Gelände der Firma „Wefina“ auf dem Hügel zwischen Küterstraße und Bögengang. Dort  wurden attraktive Einfamilienhäuser errichtet. Dagegen konnte das umfangreiche Gelände von „Essig-Kühne“ am  „Essigberg“ bislang keiner neuen Nutzung zugeführt werden. Pläne, durch Umstrukturierung dieser  Industriebrache ein  hochwertiges Wohnquartier zu entwickeln, sind bislang gescheitert.   Auch der Hafen hat sich stark verändert. Am Ende der Küterstraße befindet sich heute eine Marina. Statt einer  Fischereiflotte bestimmen Freizeitsegler das Bild. Ein wunderbarer Liegeplatz, allerdings  sieht die Winterlager-Umgebung  entlang der Fabrikstraße nicht eben einladend aus,  Hafen, Lagerhallen, Feuerwehr und Zoll und eine kleine Werft prägen  hier das Bild. Lediglich einige Wochen im Frühjahr wirkt die trostlose Ecke belebt. Zur Jagd auf den Hering pilgern dann  täglich hunderte Petrijünger zum Traveufer und machen fette Beute.  Der Hafen an der Fabrikstraße wird jetzt von der „Lübecker Hafengesellschaft“ betrieben. Das 1994 fertiggestellte  Terminal ist das europaweit führende Distributionszentrum der schwedischen Papierindustrie. Nach deren Logistikkonzept  werden Forstprodukte aus Schweden in Schlutup angelandet und von dort in alle Teile Europas verteilt. Die Anlage ist  diesen Anforderungen entsprechend konzipiert: große Hallenkapazitäten und entsprechendes Equipment für den  Umschlag von Schiffscassetten direkt oder indirekt in Waggons, Lkw und Container. Zwischen 2003 und 2006 wurden die  Hallenkapazitäten erheblich erweitert. Der Umschlag lag 2010 bei 1,7 Millionen Tonnen.   Texte: Dr. Marlies Bilz-Leonhardt, Lübeck
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