bis 2000IV
SCHLUTUP: Chronik von 1800 bis 1900 (anderen Zeitraum unten wählen!)
vor 1800I bis 1950III Die Chronik wurde erstellt von Harry Bartels         unter Verwendung nachfolgender Literatur:          Schlutup (1907), von Carl Westphal         Schlutuper Festwoche (1978), von Gemeinnütziger Verein Schlutup         550 Jahre St.Andreas (1986), von St.Andreas-Kirchengemeinde Schlutup         Kleine Hefte zur Stadtgeschichte - Heft 1 (1993), von Roland Heiman         Schlutup, Geschichte und Geschichten (1997), von Uve Assmann         Wind und Wasser, Graupen und Grütze (2002), von Horst P. Schwanke
1800 Die Amtsordnung von Schlutup - alle Fischer hatten daran gearbeitet - erhält die obrigkeitliche Billigung. Die patriarchalischen Befugnisse des Ältesten werden liberalisiert. Die 1751er Amtsordnung erhält hier 38 Zusatzparagraphen. Die moderne Ära der Fischerei und ihrer Organisation bricht an. 1814 Die Wette erteilt die Haus- und Fischereibriefe in den "Wette-Nachweisungen über Zu- und Umschriften in Schlutup" (1818). 1818 Im April erhält Heinrich Gottfried Weber die Konzession als Land-Malermeister. -- Am 6.6. räumt die Stadtbuchordnung Schlutup eine Sonderstellung ein. Alle Häuser und Fischereien, die sich noch nicht am Obern Stadtbuch befanden, werden in einem Hypothekenbuch a. d. Wette verwaltet. -- 10 Fischereien liegen still. Das .Ostergeld für die Ältesten wird für diese stillgelegten Fischereien aus der Lade genommen. 1819 Es gibt in Schlutup 20 verlehnte Fischräucherer. 1823 Landreform in Schlutup. -- Auflösung der "gemeinen Freiheit". -- Das Maitagsgeld, eine Einnahme des früheren Marschalls zu Lübeck, wird vorläufig der Schlutuper Kirche zugewiesen. 1824 Die Schlutuper Gemeindefreiheit wird verteilt. Das der Kirche zugeteilte Land wird dem Pastorat als Entschädigung für hergegebene Ländereien (Kirchhofsanlage) zugeschrieben. 1825 Die bis dato dem Marschall zustehenden Erträge aus 2 Fischzügen am 2. Ostertag in Travemünde sowie von 5 Zügen auf der Trave mit 2 großen Waden werden der Schlutuper Kirche zugewiesen. 1826 Am 7.2. wird ein Vergleich geschlossen, er regelt die Fischereiverhältnisse der mecklenburgischen Seite der Travebucht innerhalb der Linie Harkenbek - Haffkruger Feld zwischen Schlutuper-, Stadt- und Gothmunder Fischern einerseits und Travemünder Genossenschaft anderseits 1829 Im Februar erneuert die Stadt ein Privileg, wonach dem Pächter der Papiermühle das Lumpensammeln im gesamten Stadtgebiet zugestanden wird. -- Am 13.10. erhält der Schlachter Johann G. Becke die Konzession, sich als Schlachter in Schlutup nieder zu lassen, da seit mehreren Jahren kein Schlachter im Ort ansässig war. 1830 In Schlutup zählt man 87 Häuser und 616 Bewohner. Die Familien leben überwiegend vom Fischfang (Fischer, Fischergeselle, Netzhändler, Netzstrickerin) 1833 Am 29.3. genehmigt das Landgericht der Gemeinde die Einrichtung einer Armenpflege unter Leitung des Pastors und verabschiedet eine Armenordnung. 1835 Am 5.9. wird das Schlutuper Hypothekenbuch begründe, laut Antrag der Schlutuper Fischerältesten, H. G. Westphal und H. H. Willwater. Umschriften erfolgen fortan unter Aufsicht der Ältesten ohne Nächstzeugnisse. 1836 Am 16.2. tritt eine Ordnung der Fischerei in Kraft, die Reihenfolge des Fischens fest legt: Drei Tage vor Weihnachten bis l. 5. von Sonnenaufgang Montag bis Sonnenuntergang Sonnabend Fischerei mit je 6 großen Waden für Travemünde und Schlutup. -- Im Juli erhält Schlutup die Konzession zur Anlage der ersten Bäckerei. Bäcker wird Johann Carl Marx. 1841 Am 18.5. erhält Schlutup eine vierte Schusterstelle, da die drei vorhandenen Schuster „unfähig, unehrlich, langsam und auch dem Trinken zugeneigt“ seien. 1842 Im Juni wird die Erlaubnis zur Anlage einer Schmiede erteilt. Erster Schmied wird J.H.F. Heick. (1851 verkauft er die Schmiede an E.J.C. König für 8800 Mark) 1843 Im November sind im Ort drei konzessionierte Schneider tätig. 1844 Beim Aufeisen für schwedische Schiffe ertrinken 4 Schlutuper und 2 schwedische Männer. 1846 Der Lübecker Senat schenkt der Kirche 4 verzierte Kirchenfenster. 1849 Schlutuper Arbeitsleute erhalten erstmals die Befugnis, Kähne zu halten und Schiffe von und nach Travemünde zu bugsieren (dieses Recht hatten bisher nur die Fischer). 1850 Am 16.1. wird die erste Konzession für einen Glaser erteilt. J.H.C. Pfensig wird als Land- Glasermeister auch in Israelsdorf und Gothmund tätig. 1851 Am 20.3. bekommt ein Schlutuper Netzhändler die Konzession, in seinem Haus eine kleine Heringsräucherei zu betreiben (jährliche Abgabe: 6 Mark an die Stadt). 1854 Am 25.7. erhält J.H. Schröder die Konzession, sich als Böttcher im Ort nieder zu lassen. 1865 Der Senat lehnt Travemünder Anträge ab, die darauf abzielen, dass die Travemünder wie die Schlutuper in bestimmten Revieren mit kleinen Waden fischen können. -- Am 7.7. werden 5 Fischerhäuser und einige Arbeiterwohnstätten ein Raub der Flammen. Den Betroffenen wird durch eine öffentliche Sammlung geholfen. 1869 Als erster größerer Fischverarbeitungsbetrieb wird die Firma Jürgen Peter Bade gegründet. Nach eigenen Angaben zählt der Betrieb kurz vor dem ersten Weltkrieg: 30 Räucheröfen, 40 Bratöfen und ca. 100 Mitarbeiter. 1870 Die Fischkonservenfabrik und Seefischräucherei Hans Peter Niemann wird gegründet. 1911 verarbeitet die Firma bis zu 700 Zentner Heringe täglich mit ca. 160 Mitarbeitern. -- Am 13.6. wird erstmalig ein allgemeiner Jahrmarkt abgehalten (bis 1906). 1872 Die Zahl der in der Fischerei Beschäftigten wird vom Stadt- und Landamt ermittelt: 42 Fischer und ebenso viele Gehilfen 42 kleine und 12 große Kähne Gefischt wird auf Hering, Breitling, Butt, Dorsch, Aal, Barsch, Lachs. 1873 Im November richten 14 Hausbesitzer der Straße „Hintern Höfen“ eine Wasserpumpe ein. 1874 Im September wird der Schlutuper Gesangverein gegründet. 1877 Familie Böge gründet auf dem Wassermühlengelände die „Schlutuper Dampfsägerei (später Kistenfabrik). Die Firma bleibt bis zum Erlöschen im Oktober 1959 mit dem Namen Böge verknüpft. -- Am 16.6. erhält die Poststation einen Telegraphenanschluß. 1878 Die Schlutuper Fischindustie blüht auf: Gründung der Räucherei und Braterei J.Niset (bis 1970) Gründung Fischverarbeitungsbetrieb Heinrich Bade & Co Gründung der Firma Fritz Steffen (als Markenzeichen einen Anker) 1879 Am 6.11. wird der Gemeinde der Bau eines Armen-Wohnhauses genehmigt. 1880 Im Ort gibt es 16 Räuchereien; sie verbrauchen jährlich (Mark): Salz (8.000),  Holz (20.000),  Kisten (30.000),  Papier (10.000) Das Buchenholz zum Räuchern kommt vorwiegend aus dem Lauenburgischen. 1881 Am 9.1. wird die „Schweinegilde zu Schlutup“ als Versicherungsverein für nicht Gewerbliche gegründet (existierte bis 20.1.1967). -- Am 1.10. wird die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1882 Die Grundhäuern in Schlutup wurden mit 33 1/3-fachem Betrag abgelöst. -- Das Post- und Telegraphenamt bearbeitet jährlich: über 52.000 Eingänge  und fast 97.000 Ausgänge. -- Die Räuchereien versenden ihre Waren weitgehend mit der Post. 1884 Am 17.4. erhält der Räucherer Franz H. Westphal die Konzession zum Betrieb eines Gasthauses nebst Tanzsalons (1890 ist eine Kegelbahn verzeichnet, und 1894 als Gasthaus „Zur Post benannt). Das Hauptgebäude beherbergt seit den 1870er Jahren die Post- und Telegraphenstation (die Postsendungen wurden bisher vom jeweiligen Betreiber der Papiermühle angenommen). 1886 Küster- und Schulhaus geht in Eigentum des Staates über. Der Lehrer darf weiter das Organisten- und Küsteramt (für 75 Mark jährlich) ausüben. -- Die Lübecker Wasserbehörde errichtet eine Dampfer-Anlegebrücke (vorrangig zum Löschen der Fischdampfer). -- Die Firma Groth & H.P. Westphal Fischräucherei, Heringsbraterei und Marinieranstalt nimmt ihren Betrieb auf. -- 1899 / 1900 trennen sich die Firmen: Joachim Groth, Schutzmarke „Sturmvogel“, muss 1951 Konkurs anmelden. H.P. Westphal & Sohn, Schutzmarke „Weltkrone“, stellt 1953 den Betrieb ein. -- Am 29.7. gründet Wilhelm Bade ein Fischräucherei (1919 übernimmt Albert Holst das Unternehmen, nach Betriebserweiterung als „Tiptop Fischwerke Albert Holst GmbH & Co.KG“ bekannt). 1890 Am 21.6. erklärt der  4. Zivilsenat des Reichsgerichtes im Grenzstreit Mecklenburgs und Lübecks ein Urteil , dass die Hoheitsrechte über den Dassower See, die Pötenitzer Wiek, die Schlutuper Travebucht bis zur Mündung einschließlich des Überschwemmungsgebietes der Stadt Lübeck zustehen. 1891 Am 13.9. wird der „Kriegerverein Schlutup und Umgebung“ als Verein anerkannt. 1892 Die Gebrüder Robra betreiben eine kleine Ziegelei. 1894 Auf Bitten der Fabrikbesitzer beginnt die Pflasterung der Straße „Hintern Höfen“ und im September Ausbau einiger Ortsstraßen. -- Am 27.9. gesellt sich zu den Betrieben und Zubringerbetrieben für die Fischindustrie die "Chemische Fabrik Schlutup", gegr. von Dr. M. Stern, die Fischmehl und Tran herstellte (Konkurs erfolgte 16.10.1931). 1895 Die Dampferanlegebrücke (von 1889) wird durch eine größere T-förmige Holzkonstruktion ersetzt (anlegende Schiffe ragen in das Fahrwasser hinein). -- Die Gemeinde errichtet 400 m traveaufwärts von der Dampferanlegebrücke die erste Badestelle (Herbststürme und winterliches Eis setzen der Holzkonstruktion regelmäßig zu, so dass 1907, 1914 und 1925 Verlegungen der Badestelle nötig werden). 1896 In Schlutup beginnt das Telefonzeitalter; den ersten Fernsprechanschluß erhält die Firma Fritz Steffen -- Am 11.5. erfolgte nach dem reichsgerichtlichen Entscheid über die lübsche Hoheit (1890) die Regelung der gewerblichen Fischereiverhältnisse. 4 Fischergenossenschaften wurden gebildet:      1. Stadtfischer (6), Gothmunder (18), Schlutuper (42)     2. Wakenitzfischer, bisher zu Stadtfischern gehörend (10)     3. Innung der Travemünder Fischer (41)     4. Dassower und Volkstorfer Fischer (18) Die gewerbliche Ausübung des staatlichen Fischereiregals geschah fortan durch diese 4 Genossenschaften. Die Gewässer wurden in Bezirke eingeteilt. Bewirtschaftungsordnungen wurden erlassen. Die Schlutuper Erblichkeit der Fischereigerechtigkeit wurde durch Zahlung von 60 Mark abgelöst 1897 Am 3.7. findet die erste Sitzung des Vorstandes der Fischereigenossenschaft der Gothmunder und Schlutuper Fischer statt. -- Im September wird dem Stadt- und Landamt gemeldet, der Fährbetrieb zwischen Schlutup  und Herrenwyk  sei „eingegangen“. Es gibt jedoch einen Vertrag zur Führung eines Fährgeschäfts mit einem Ruderboot (1905 steigt das Interesse an einer Fährvervindung nach Inbetriebnahme des Hochofenwerkes, eine Fähre wird vom Wasser- und Hafenbauamt betrieben bis 1959, die Stadtwerke übernehmen bis zur endgültigen Einstellung die Regie). 1899 Im Wesloer Moor wird eine Leiche gefunden. Zwischen der Stadt und der Gemeinde entbrennt ein Streit über die Zahlung der Beerdigungskosten von 12,15 Mark. -- Es erfolgt die Neuordnung der kirchl. Abgaben und Gebühren im Schlutuper Kirchspiel. Der 1823 an die Schlutuper Kirche gegebene Marschallzug wurde mit 110 Mark jährlich, 20 Jahre lang, aus Staatsmitteln abgegolten, weil nach der Neuordnung der Fischereiverhältnisse diese Züge nicht mehr durchführbar waren. In der neugeschaffenen kirchl. Gebührenordnung zahlten:     1. Räucherer, Fabrikanten, Kaufleute, Händler und Fuhrleute: von 3 bis 30 Mark     2. Beamte, Wirte, Rentner, Landbesitzer: von 2 bis 20 Mark   3. Fischer: 4 Mark     4. Arbeiter, Fischereigehilfen, Handwerksgesellen: 2 Mark     5. Dienstbotengelder Es wurden aufgehoben das Fischwadengeld, Vitelgeld, Opfergeld, Beichtgeld, Eierlieferungen, Hausgeld. Die bisher zuständigen 4 freien Fischereigräber wurden gebührenpflichtig in Erbbegräbnisse umgewandelt. -- Am 19.8. wird der Schlutuper Fischerverein gegründet. -- Am 29.11. trifft die obrigkeitliche Billigung des Schlutuper Eisenbahnbau-Projektes ein.
bis heute V bis 1900 II